Samstag, 28. Februar 2015

Life Balance: Du bist, was du isst

Es wird mal wieder persönlich

Auch wenn es mir selbst in der zuckerfreien Fastenzeit sehr viel Spaß macht zu backen, zu kochen und meine Rezepte und Erfahrungsberichte mit euch zu teilen, möchte ich doch hin und wieder auch ein paar persönliche Posts über mein Essverhalten und meine Einstellung zu meinem Körper und meiner Ernährung auf dieser Seite mit einbringen. Denn tatsächlich verstehe ich dieses Blog nicht nur als eine Art virtuelles Kochbuch, in dem ich für mich und alle meine Leser tolle Rezepte und meine ganz persönlichen Kochabenteuer festhalten kann, sondern zumindest in Rahmen das "Projekts: zuckerfrei" auch als eine Art Therapie für mich selbst.

Hier ist es mir möglich all die Gedanken und Sorgen, die mir schon seit ewigen Zeiten in meinem Kopf herumspuken aufzuschreiben, zu ordnen und mich bewusst mit ihnen auseinanderzusetzen. Wer sich für diesen Teil meines Blogs also eher nicht interessiert (was ich durchaus gut verstehen kann), kann die Einträge der Kategorie "Life Balance" selbstverständlich einfach überspringen. Allen anderen danke ich für ihr Interesse und ihre Anteilnahme. Ich freue mich über jeden aufmunternden Kommentar, jedes Liebe Wort, jede persönliche Nachricht und jeden guten Ratschlag :) Denn gerade im Bezug auf die Entwicklung eines natürlichen Essverhaltens habe ich noch immer einige Probleme, die ich zur Zeit mit Hilfe eines tollen Buches, welches ich euch in diesem Eintrag vorstellen möchte, und einigen weiteren hilfreichen Tipps in den Griff bekommen will.
In meinem allerersten Post auf diesem Blog, in dem ich euch die Problematik meiner "Essstörung" und meine Beweggründe für das "Projekt: zuckerfrei" sehr ausführlich beschrieben habe, hatte ich bereits erwähnt, dass ich einmal davon gelesen habe, dass wenn die Seele aus irgendeinem Grund hungert, der Körper dies manchmal durch tatsächliches Hungern wiederspiegeln kann.

Über diese Aussage habe ich mir in letzter Zeit viele Gedanken gemacht und mich gefragt, was es wohl ist, wonach meine Seele sich sehnt. Was könnte ihr wohl fehlen? Woran mangelt es ihr? Doch lange Zeit bin ich beim besten Willen nicht dahinter gekommen, was die Ursache für mein Bedürfnis, mich körperlich abzulehnen wohl sein könnte. Denn auch wenn meine Mama sich immer wieder dafür entschuldigt, mir als Kind nicht genug Verständnis gezeigt und mich nicht immer so wie ich tatsächlich war uneingeschränkt geliebt und akzeptiert zu haben, kann ich diese Aussagen in keinster Weise selbst bestätigen bzw. nachvollziehen. Ganz im Gegenteil - Ich hatte eine fabelhafte, idyllische Kindheit, wie sie sich jedes kleine Mädchen nur wünschen kann. Eine (zumindest damals noch) intakte Familie, Eltern die mich liebten, einen Bruder, der gleichzeitig mein bester Freund war, einen tollen Freundeskreis, einen Bauernhof direkt vor der Haustür und Menschen in meiner Nähe, denen ich etwas bedeutete und die vermutlich alles zu meinem Wohl getan hätten! Selbstverständlich war auch in dieser Zeit nicht immer alles einfach und ich weiß, dass ich auch als Kind bereits mit psychischen Problemen wie einer extrem übersteigerten Regenangst, einem sehr geringen Selbstbewusstsein oder leichten Zwangsstörungen zu kämpfen hatte, dennoch erinnere ich mich an diese Zeit als etwas durchweg Positives. Als eine Phase meines Lebens, die von Glück, Harmonie, Liebe und Leichtigkeit geprägt war.

Daher bin ich zu dem Schluss gekommen, dass mein seelischer Hunger vermutlich nicht unbedingt aus Verletzungen oder Vernachlässigungen aus meinen Kindertagen stammen wird, sondern vielmehr erst im Laufe meiner Jugend und der letzten Jahre entstanden sein könnte. Wie bereits erwähnt lese ich zur Zeit eine Art Ratgeber, der vor allem Frauen dabei helfen soll, Frieden mit sich selbst und dem eigenen Körper zu schließen und dabei quasi als "Nebenprodukt" wieder eine normale Einstellung zum Essen zu entwickeln: "Fühle dich selbst und iss, was du willst" von Geneen Roth. Als ich das Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, dachte ich kurz: "Ach du schreck, das klingt ja mal so richtig nach Selbsthilfe - jetzt geht es aber wirklich bergab mit dir" und ich war tatsächlich ein bisschen unsicher, ob ich mir die "Blöße" geben wollte, eine der vielen klischeehaften Frauen zu sein, die mit sich selbst nicht im Reinen ist und daher ständig einen Ratgeber zur Lösung ihrer Probleme auf ihrem Nachttisch liegen haben muss.



Doch inzwischen bin ich froh, dass ich mir das Buch gekauft und einen Blick hinein geworfen habe. Denn auch wenn ich nicht mit allen Inhalten und Aussagen der Autorin übereinstimmen kann, so hat es mir doch geholfen meinen Blick auf mich und meine Einstellung zum Leben ein wenig zu verändern und mich offener für neue Ansätze und Gedanken zu machen. Denn in diesem Buch regt sie ihre Leser immer wieder dazu an, sich ganz bewusst darüber klar zu werden, warum man eigentlich essen will. Hat man tatsächlich Hunger oder geht es nur darum sich von einem anderen Gefühl abzulenken bzw. dieses zu betäuben?

"Wenn wir für eine schwierige Frage, ein Paradoxon [...] keine Lösung parat haben, machen wir um das zwanghafte Essverhalten ein großes Tamtam und erheben es zum zentralen Problem  [...], damit wir uns nicht mit dem Unbekannten auseinandersetzen müssen."
schreibt sie darüber in einem Kapitel ihres Buches. Also habe ich die letzte Zeit viel damit verbracht, darüber nachzudenken welchen Schmerz bzw. welches Problem ich wohl haben könnte, das mich derart belastet und innerlich zerfrisst. Zwar habe ich schon lange mit meinem Gewicht zu kämpfen, was wohl hauptsächlich daran liegt, dass ich während meiner Pubertät über 3 Jahre mit einem Jungen zusammen war, der mir fortwährend sagte, ich solle doch endlich abnehmen (was ich tatsächlich auch irgendwann schaffte - insgesamt verlore ich knapp 14 Kilo - allerdings erst lange nach dieser Beziehung :D ). Dennoch bin ich überzeugt, dass meine momentanen Probleme eine andere Ursache haben müssen.

Wie du deine Tage verbringst, so verbingst du dein Leben

Ich hatte ja bereits geschrieben, dass für mich Essen häufig das absolute Highlight meiner Tage ist und ich es liebe Gerichte zuzubereiten, neue Rezepte auszuprobieren und ungewohnte Geschmackskombination kennenzulernen. Wenn ich esse, bin ich glücklich. Essen macht mir Spaß, fordert mich heraus und weckt meine Sinne. Und möglicherweise ist genau das auch der Grund, warum es meinen Alltag so sehr bestimmt: Denn es gibt für mich zur Zeit einfach kaum etwas Schöneres als Essen. Meine Gedanken kreisen wahrscheinlich gerade daher so sehr um dieses Thema, weil es eines der wenigen Dinge ist, die mich reizen, interessierten und glücklich machen. Ganz offensichtlich hungert meine Seele, weil ihr einfach etwas fehlt, was sie erfüllt.

Natürlich habe ich einen tollen Freundeskreis, einen super verständnisvollen Freund und unternehme in meiner Freizeit unterschiedlichste, wunderbare Dinge. Trotzdem scheint mir selbst etwas zu fehlen, was mir das Gefühl gibt vollkommen zu sein. Etwas das mich glücklich macht und mir den Eindruck vermittelt, gebraucht zu werden und etwas Gutes zu tun. Oder wie Frau Roth es so treffen formuliert: 
"Zwanghaftes Essen ist ein Versuch, den Mangel (an Liebe, trost, dem Wissen was zu tun ist) aus dem Bewusstsein zu verbannen, wenn Momente, Gefühle, Situationen uns so öd wie die Wüste erscheinen"
Tatsächlich ist es wahr, dass ich momentan mit vielen Dingen in meinem Leben nicht so ganz zufrieden bin und mir mein Alltag teilweise sehr eintönig, öd und farblos erscheint. Ich mag meine Wohnung, aber ich fühle mich hier nicht mehr so richtig wohl. Ich liebe es an der Ostsee zu leben, aber ich habe manchmal das Gefühl von dieser kleinen Stadt am Meer eingeengt zu werden. Ich bin dankbar für meinen tollen Freundeskreis, trotzdem fällt es mir oft schwer mich dort vollkommen zu öffnen. Und am allermeisten bin ich frustriert von meinem Studium, von dem ich mir so viel mehr versprochen haben. Ich bewundere alle Lehrer dieser Welt. Bewundere ihr Durchhaltevermögen, ihre Sensibilität, ihre Selbstdiziplin und ihre Fähigkeit mit den Anforderungen dieses extrem anspruchsvollen Berufes klarzukommen. Doch immer wieder zweifle ich daran, ob auch ich eine solche Person sein kann. Hinzu kommt die Tatsache, dass mir das Studieren an sich abolut überhaupt keinen Spaß macht. Für mich sind die Vorlesungen reine Zeitverschwendung. Es liegt mir nicht, mich 90 Minuten lang nur bequatschen zu lassen und ich habe an dieser Art des Unterrichts absolut keinen Spaß. Dementsprechend habe ich oft den Eindruck keine wirklichen Fortschritte zu machen. Stattdessen schweife ich gedanklich ab und merke dabei, dass ich kaum etwas aus dieser Zeit für meine spätere Arbeit mitnehmen kann. Eine Tatsache, die mich noch mehr frustriert.




Sich Zeit für das Schöne im Leben nehmen

Es ist also offensichtlich, dass die vermutlich wichtigste Aufgabe auf dem Weg zu einem normalen Essverhalten für mich die ist, mein Leben wieder etwas bedeutungsvoller zu gestalten und somit "aufzuwerten". Ich weiß, dass ich im Grunde keinen Anlass dazu habe mich zu beklagen. Und bitte denkt nicht, dass ich mein Leben mit all seinen Vorzügen nicht wert schätzen könnte. Aber ich habe es mir nun zur Aufgabe gemacht, etwas zu finden, dass mich neben dem Unistress und meinen Alltagssorgen wirklich glücklich macht. Einen positiven Ausgleich, der nichts mit Essen oder ähnlichen Themen zu tun hat, sondern sich in kleinen Gesten, Akitivitäten oder Projekte festmacht, die mir helfen mein Leben wieder mehr zu lieben und mehr Quellen des Glücks in meinen Alttag zu integrieren :)

Ich weiß, dass ich versprochen hatte, mich in meinen Posts kürzer zu fassen und nicht immer bei allem so weit auszuholen, aber das musste gerade einfach mal alles gesagt werden. Ich hoffe, dass ich es schaffen werde, Essen als das Highlight meines Tages, der Woche oder des Monats abzulösen und andere Dinge zu finden, die mich genauso sehr mit positiven Gefühlen und Glück erfüllen können. Ob mir das gelingt und wie sich der Weg bis dahin gestaltet, werde ich euch selbstverständlich gerne in meinen "Life Balance" Posts mitteilen.

Bis dahin - sonnige Grüße,
Lisa ☼

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