Sonntag, 3. Mai 2015

Eine Reise zurück in meine Kindheit: mit selbstgemachter Waldmeisterbowle

Hallo ihr Lieben, gerade haben wir noch Ostern gefeiert, Hefezöpfe gebacken und Eier bemalt und schwupps sind wir auch schon im Mai angekommen. Für mich persönlich ist dies mein absoluter Lieblingsmonat. Das liegt natürlich nicht nur an den vielen freien Feiertagen, auf die man sich im Mai freuen kann, sondern vor allem an dem, was sich in dieser Zeit in der Natur tut. Die Obstbäume stehen in voller Blüte, der Raps auf den Feldern erstrahlt im hellsten Gelb, die ersten Bienen beginnen zu Summen, die Tage werden immer länger und wärmer und es gibt jede Menge Spargel, Rhabarber und sogar die ersten Erdbeeren zu kaufen :) Da kann man doch nur glücklich sein, oder? 

In diesem Jahr habe ich den Mai seit Ewigkeiten mal wieder mit einer tollen alten Tradition begrüßt, die ich noch aus meiner Kindheit kenne. Da hat meine Mama nämlich immer selbst Waldmeister gesammelt und daraus dann für die ganze Familie eine Maibowle gemacht. Verzehrt wurde sie meistens an gemeinsamen Grillabenden oder bei geselligen Kafferunden draußen auf unserer Terrasse. Und selbstverständlich gab es dabei immer zwei unterschiedliche Versionen. Die eine mit Wein und Sekt für die Erwachsenen und die andere mit frischem Apfelsaft für uns Kinder :) Serviert wurde sie in einer großen Karaffe an unserem Kinder-Sitztisch, der aus einem kleinen länglichen Holztisch mit daran befestigten Sitzbänken bestand und meistens direkt draußen auf dem Gras stand, damit wir nach dem Essen gleich wieder zum Spielen aufbrechen konnten. hach, wie habe ich diese Tage geliebt. Mit Kinderbowle in der Hand, Sonne im Gesicht und Kuchen im Bauch war die Welt absolut in Ordnung :)

Und weil ich mich an dieses herrlich sorglose Gefühl der Freude und Leichtigkeit unbedingt mal wieder zurückerinnern wollte, habe ich in diesem Jahr beschlossen einfach selbst in die Fußstapfen meiner Mama zu treten und gemeinsam mit meinem Freund Waldmeister sammeln zu gehen, um anschließend eine eigene Kindheits-Bowle daraus herzustellen. Selbstverständlich in zwei Versionen, denn auch, wenn ich inzwischen wohl ganz offiziell am Erwachsenentisch sitzen dürfte, löst die "jugendfreie" Version dieses Getränks, die übrigens mindestens genauso gut wie seine beschwippste Alternative schmeckt, noch heute eine Menge glücklicher Erinnerungen an die guten alten Zeiten in mir aus :)


Das Sammeln des Waldmeisters war übrigens gleich noch ein kleines Abenteuer für uns. Denn ich muss gestehen, dass ich mich mit Botanik, Pflanzen und Kräutern nicht sonderlich gut auskenne. Doch nachdem ich verzweifelt feststellen musste, dass es weder auf unserem Wochenmarkt, noch in den Supermärkten unserer Stadt frischen Waldmeister zu kaufen gibt, blieb mir keine andere Wahl, als mich selbst auf die Suche danach im Wald zu begeben. Und so durchforstete ich akribisch das Internet, informierte mich über das Aussehen, den bevorzugten Standort und die besten Wachstumsbedingungen der Pflanze und begab mich dann, bewaffnet mit einem Beispielfoto gemeinsam mit meinem Freund in den Wald, in der Hoffnung dort auch tatsächlich auf das richtige Gewächs zu stoßen. Und tatsächlich - nachdem wir etwa 20 Minuten etwas verzweifelt mit den Blicken auf den Boden geheftet durch die Sträucher gestöbert waren und vorsichthalber schonmal von einer Pflanze, die dem Waldmeister sehr ähnlich sah, mir aber irgendwie seltsam pieksig vorkam, eine Portion gesammelt hatten, fanden wir unter einer großen Buche (Waldmeister bevorzugt schattige Standorte vor allem in Buchenhainen) endlich ein großes sattgrünes Waldmeisterfeld, an dem wir uns bedienen konnten.

Übrigens ist bei der Ernte sehr wichtig, dass die Pflanzen nach Möglichkeit noch nicht blühen, da mit Beginn der Blüte der Gehalt des Stoffes Cumarin in den Blättern deutlich ansteigt und die Bowle dann schnell zu Kopfschmerzen, statt zu Glücksgefühlen führen kann. Wer also Lust bekommen hat, diesen Frühlingsdrink einmal selbst zuzubereiten, sollte sich möglichst bald auf die Suche in die Wälder begeben. Traut euch ruhig, es ist gar nicht so schwer, wie man denkt ;) Hier verrate ich euch nun aber erst einmal beide Rezeptversionen. Vielleicht habt ihr ja Lust nicht nur euch, sondern auch euren Kindern/Enkelkindern/Paten/Nachbarskindern einmal diese Bowle zu servieren?! Ihr könnt euch sicher sein, dass ihr den Kleinen damit ganz gewiss eine große Freude machen werdet ;)



Waldmeisterbowle


Zutaten
  • eine Handvoll Waldmeister (ca. 6g)
  • 1 Liter Weißwein
  • 1 Flasche eisgekühlten Sekt
  •  Orangen und Zitronenscheiben nach Belieben
oder
  • eine Handvoll Waldmeister
  • 1 Liter Apfelsaft
  • Saft 1/2 Zitrone
  • Saft einer Orange
  • Mineralwasser mit Sprudel nach Belieben

Zubereitung
Damit der Waldmeister den für ihn typischen Geruch und das klassische Aroma richtig entfalten kann, muss er zunächst etwas welk werden. Daher solltet ihr ihn nach Möglichkeit etwa einen Tag in der Küche welken lassen, bevor ihr ihn dann zur Bowle verarbeitet. Wer diese Zeit nicht hat, kann ihn alternativ aber auch für etwa 30 Minuten in den Gefrierschrank geben.

Edit: Nachdem ich dieses Rezept inzwischen noch einige Male mehr zubereitet und meinen Liebsten serviert habe, habe ich festgestellt, dass sich beide Versionen auch wunderbar zu einer Bowle kombinieren lassen. Man kann zum Beispiel einfach die "Kindervariante" zubereiten und diese dann mit einer Flasche Wein, einer Flasche Sekt und nach Wunsch weiterem Alkohol kombinieren. Schmeckt auch super lecker :) Und übrigens klappt die Bowle auch genauso gut, wenn man den Waldmeister erst trocknet und dann die getrockneten Blättchen im Saft bzw. Wein ziehen lässt.

Anschließend den duftenden Waldmeister gut abwaschen und an den Enden zu einem Bund zusammenbinden. Dieses Bündel nun kopfüber in die Flüssigkeit (Wein oder Apfelsaft) hängen (zum Beispiel an einem Kochlöffel befestigt) und für mindestens 20 Minuten ziehen lassen. Je länger ihr ihn eingetaucht lasst, umso stärker ist anschließend auch das Aroma in der Bowle. Zum Schluss die Bowle mit dem Sekt aufgießen, nach Belieben mit frischen Früchten, Zitrus- oder Orangensaft abschmecken und mit Eiswürfeln servieren. Für die Kinderversion den Apfelsaft mit dem der Orange und der Zitrone vermengen, eventuell etwas Honig untermischen und ihn nach Wunsch mit kaltem Wasser verdünnen. Ebenfalls mit Eiswürfeln servieren und möglichst sofort genießen 


Geschmacklich ist dieser eisgekühlte Sonnendrink definitiv ein wahrer Frühlingstraum. Eisgekühlt schmeckt er spritzig und frisch und nicht zu süß. Die Note des Waldmeisters ist angenehm dezent und lange nicht so künstlich, wie in den Fertigbowlen, die sich im Supermarkt kaufen lassen. Und stolz kann man nach dem kleinen Abendteuer-Trip in den Wäldern auch noch auf sich sein - denn mehr selfmade kann eine Bowle wohl kaum sein ;)

Wie gesagt - für mich ist dieses Getränk ein Stück meiner Kindheit, an die ich mich mit jedem Schluck wieder zurückerinnert fühle. Doch auch allen großen Kindern wird diese tolle Bowle ganz bestimmt wunderbar schmecken. Dem Wonnemonat Mai macht sie geschmacklich auf jeden Fall alle Ehre und verheißt nicht nur sommerliche Glücksgefühle, sondern lässt einen zugleich von Tagen voller Glück, Freiheit und Wohlgefühl träume. In diesem Sinne wünsche ich euch eine tolle Frühlingszeit und beende meinen Beitrag mit einem herzlichen "Prost" ;)

Bis dahin - sonnige Grüße
Lisa ☼

P.s. Der Mai ist bei mir übrigens nicht nur der Monat für Spargel, Rhabarber, Waldmeister und co., sondern in diesem Jahr auch der des Müslis. Auf meinem Instagram-Account habe ich eine kleine Müsli Challenge gestartet, bei der ich mich gemeinsam mit meinem Freund durch die unterschiedlichsten Müsli der Supermärkte koste und diese anschließend kurz für euch bewerte. Alle Müslifreunde unter euch, dürfen jetzt also gerne zu meinem Account hinüberhüpfen und sind herzlichst dazu angehalten, Empfehlungen für ihre liebsten Müsli in den Kommentaren oder per Nachricht bei mir zu hinterlassen ;)

Hier geht's zur Müsli Challenge.

http://leckerundco.blogspot.de/2015/04/kulinarische-kindheitserinnerungen-4.html

Kommentare:

  1. Liebe Lisa,

    ich liebe Waldmeister und habe selbst eine riesigen Topf davon auf meinem Balkon. Habe da letztes Jahr nämlich ein paar Pflanzen im Wald ausgegraben... der gedeiht wie verrückt.

    Diese alkoholfreie Variante werde ich definitiv testen. Danke für das lecker-erfrischende Nass. :-) Bei unserem nächsten Mädlsabend, serviere ich diese und erzähl dir dann, wie es geschmeckt hat. :-)

    Liebste Grüße,

    Tina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Tina :)

      oh wie schön.. eigenen Waldmeister auf dem Balkon zu haben, spart natürlich eine Menge Zeit. Ich bin schon sehr gespannt, ob dir und deinen Mädels meine alkoholfreie "Kinderversion" schmeckt. Ich habe sie jetzt schon zum zweiten Mal zubereitet, weil sie mir einfach sooo lecker schmeckt :)

      Sonnige Grüße
      Lisa ☼

      Löschen
  2. Tolles Rezept! Danke! Ich habe schon überlegt, was ich mit dem Waldmeister auf der Fensterbank noch machen kann (außer Sirup und Waldmeisterpannacotta)! Sehr gute Idee - sowas gab's bei uns leider nicht...
    Ich werde für dein Rezept abstimmen, bei der Blogparade...
    Ach und tolle Bilder! Ich werde gleich mal weiter stöbern... :)

    Liebe Grüße!
    Jolly

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Jolly,
      hmm - Waldmeister Panna Cotta klingt ja auch ganz schön verlockend. Das wäre auch nochmal eine tolle Idee! :) Danke, dass du für mich abstimmst, ich hoffe meine Bowle schmeckt dir auch :) Du kannst ja mal berichten wie das Rezept bei dir und deinen Liebsten angekommen ist.

      Sonnige Grüße
      Lisa ☼

      Löschen
  3. Mhhhhh beide Rezepte klingen super verlockend! Yummi! Da hätte ich gerade auch mal wieder richtig Lust drauf! :-)

    Liebe Grüße
    Dörthe

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Dörthe,
      ja sie sind auch wirklich super lecker. Ich habe die Bowle inzwischen schon 4 Mal zubereitet, seit ich Waldmeister sammeln war :)

      Sonnige Grüße,
      Lisa ☼

      Löschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...